Die diesjährige Generalversammlung ist die erste mit dem am 14. März 2024 gewählten Vorstand mit PD Dr. Michael O. Kurrer in der Funktion des Präsidenten, Dr. med. Amineh Solberg in der Funktion als Vizepräsidentin und RA Hugo Brücker als Geschäftsführer.
Der Präsident, PD Dr. Michael O. Kurrer, eröffnet die 31. PULSUS Generalversammlung 2025 und begrüsst alle Anwesenden. Insbesondere begrüsst er unsere Ehren- bzw. Gründungsmitglieder und ehemaligen Vorstandsmitglieder Dr. med. Räto Camenisch, Dr. med. Dan Lazarovici und Prof. Dr. med. Marcus M. Maassen. Einen besonderen Willkommensgruss richtet er sowohl an unsere Gäste, Dr. med. Mike Bucher, Dr. med. Dimiter Iliev, Dr. med. Christian Prawitz, Dr. med. Klaus Rambach, und Herr Andy Vogel als auch an Prof. Dr. med. Barbara Biedermann, Vize-Präsidentin des Vereins Gesundheitsdatenraum Schweiz, Fachärztin für Innere Medizin, Gründerin COBEDIAS-Institut, Adetswil und Titularprofessorin der Universität Basel.
Jahresbericht des Präsidenten
Der Vorstand von PULSUS hat auch im Jahr 2024 bedeutende Hintergrundarbeit geleistet und sich in verschiedenen Bereichen aktiv engagiert. Insgesamt fanden sieben Vorstandssitzungen statt, in denen strategische und inhaltliche Weichenstellungen diskutiert und beschlossen wurden.
Darüber hinaus wurde die Öffentlichkeitsarbeit kontinuierlich weitergeführt, unter anderem mit zehn thematisch breit gefächerten Beiträgen auf LinkedIn. Zu den behandelten Themen zählten der Jahresrückblick 2024, die Kampagne «Ärzte und Patienten», das Projekt «Carepods» sowie die zunehmende administrative Belastung für Ärztinnen und Ärzte. PULSUS bezog zudem Stellung zu aktuellen gesundheitspolitischen Abstimmungen: So unterstützte der (Verband) Verein die Kampagne «JA zur einheitlichen Finanzierung» und positionierte sich klar zur entsprechenden Abstimmung. Ebenso wurde der Entscheid der Organisation OAAT thematisiert. In Bezug auf die sogenannte Kostenbremse-Initiative sprach sich PULSUS deutlich dagegen aus und beteiligte sich aktiv am Aktionstag «NEIN zur Kostenbremse-Initiative».
Weitere Schwerpunkte der Vorstandsarbeit umfassten die Erarbeitung und Publikation von Positionspapieren und Stellungnahmen auf der Website www.pulsus.ch. Inhaltlich standen dabei unter anderem der TARDOC-Tarif (insbesondere die Notfall- und Dringlichkeitstarife sowie dessen generelle Einführung) und das Elektronische Patientendossier (EPD) im Fokus – inklusive einer kritischen Auseinandersetzung mit dessen Vor- und Nachteilen sowie den damit verbundenen Herausforderungen.
Zudem pflegte der Vorstand den kontinuierlichen Dialog mit verschiedenen Akteuren aus dem Gesundheitswesen und der Politik. Dazu zählten regelmässige Gespräche mit Pharmaunternehmen – teilweise auch in der Rolle als Sponsoren – sowie mit National-, Stände-, Regierungs- und Kantonsräten. Ergänzend nahm PULSUS an mehreren Delegiertenratssitzungen der kantonalen Ärztegesellschaften teil, um seine Positionen in die Breite zu tragen und die Vernetzung im medizinisch-politischen Umfeld weiter zu stärken.
Sämtliche Publikationen / Leserbriefe sind auf unserer Homepage, www.pulsus.ch, aufgeschaltet. Die Posts zu den genannten Themen finden Sie auf LinkedIn.
Jahresrechnung 2024 / Budget und Mitgliederbeiträge 2025 / Wahl der Revisionsstelle
Die Jahresrechnung 2024 und der Revisionsbericht wurden einstimmig genehmigt und dem Vorstand die Décharge erteilt. Das Budget 2025 und die Mitgliederbeiträge 2025 wurden entsprechend dem Antrag einstimmig genehmigt. Unsere beiden bisherigen Revisorinnen und Aktiv-Mitglieder Frau Vanessa Federer, Inhaberin Externes Praxismanagement Vanessa Federer in Dottikon und Frau Beatrice Kistler, Vorsorge- und Finanzberaterin bei Zürich, Generalagentur Roland Howald AG in Bern wurden von der Generalversammlung einstimmig für 2 weitere Vereinsjahre als Revisorinnen bestätigt.
Programmschwerpunkte / Aktivitäten 2025
Anschliessend stellte der Präsident die aktuellen gesundheitspolitischen Schwerpunkte und Aktivitäten des Vereins vor. Im Zentrum stehen dabei Entwicklungen, die den medizinischen Alltag direkt betreffen und die Qualität sowie Stabilität der Versorgung beeinflussen. PULSUS beobachtet diese Entwicklungen sorgfältig und informiert seine Mitglieder, Sponsoren und Gönner regelmässig über die eigene Website, via LinkedIn sowie per E-Mail.
Ein zentrales Anliegen ist die Einführung gerechter ambulanter Pauschalen. PULSUS setzt sich für ein Abrechnungssystem ein, das dem tatsächlichen Aufwand und der Vielfalt medizinischer Leistungen gerecht wird. Pauschallösungen, die die Komplexität der Versorgung vereinfachen und verzerren, lehnt der Verein ab. Es dürfe keinesfalls dazu kommen, dass Pauschalen zum Einfallstor für staatlich oder kommerziell gelenkte Versorgungsnetzwerke werden.
Ein weiteres zentrales Thema ist der längst überfällige Übergang vom TARMED zum TARDOC-Tarifsystem. Der heutige Tarif bildet die moderne Medizin nicht mehr adäquat ab. PULSUS fordert deshalb eine rasche Einführung des TARDOC – transparent, differenziert und praxisnah, sowohl im Interesse der Patientinnen und Patienten als auch der Leistungserbringenden.
Kritisch beleuchtet wird auch das Phänomen der sogenannten „Minutenmedizin“, bei der für Gespräche und persönliche Zuwendung immer weniger Zeit bleibt. Die zunehmende Ökonomisierung des Praxisalltags gefährdet das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis. PULSUS macht sich dafür stark, dass medizinische Qualität nicht allein über abrechenbare Leistungen definiert wird, sondern bei der persönlichen Zuwendung beginnt – beim Zuhören und Verstehen.
Der anhaltende Fachkräftemangel stellt eine wachsende Bedrohung für das gesamte Versorgungssystem dar. Er betrifft nicht nur Pflege und Praxisassistenz, sondern auch weiteres medizinisches Fachpersonal. PULSUS fordert hier gezielte politische Massnahmen zur Entlastung, Förderung und Attraktivitätssteigerung der betroffenen Berufsgruppen – als Grundlage für eine funktionierende, nachhaltige Gesundheitsversorgung.
Schliesslich betonte PD Dr. Kurrer, dass zahlreiche gesundheitspolitische Reformen – etwa neue Tarifsysteme, gesetzliche Anpassungen oder Digitalisierungsvorhaben – direkte Auswirkungen auf den Praxisalltag haben. PULSUS analysiert diese Entwicklungen kritisch, informiert fundiert und bringt sich aktiv in politische Entscheidungsprozesse ein, um eine pragmatische, patientenorientierte Umsetzung mitzugestalten.
Im zweiten Quartal 2025 wird PULSUS eine umfassende Umfrage unter den Ärztinnen und Ärzten der Zentralschweiz – konkret in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri – durchführen. Ziel der Erhebung ist es, ein aktuelles Stimmungsbild zur beruflichen Situation und zur Versorgungslage in der Region zu gewinnen sowie zentrale Herausforderungen und Informationsbedürfnisse zu identifizieren.
Die Umfrage umfasst verschiedene Themenbereiche: Dazu zählen allgemeine Fragen zur aktuellen Arbeitstätigkeit und zur Planung der beruflichen Nachfolge, die Einschätzung der regionalen Versorgungssituation in unterschiedlichen medizinischen Fachdisziplinen sowie der Kenntnisstand zu aktuellen Reformvorhaben – insbesondere im Hinblick auf ambulante Pauschalen und die Einführung des TARDOC-Tarifsystems. Zusätzlich wird die Wahrnehmung externer Unterstützungsangebote durch Fachgremien, Behörden und Berufsverbände erhoben. Abgerundet wird die Befragung durch Fragen zu individuellen Belastungs- und Erfolgsfaktoren sowie zur beruflichen Zufriedenheit.
Die Ergebnisse der Umfrage werden anonymisiert ausgewertet und anschliessend auf der Website von PULSUS sowie über LinkedIn öffentlich zugänglich gemacht.
Referat von Prof. Dr. med. Barbara Biedermann
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Generalversammlung folgte das Referat von Frau Prof. Dr. med. Barbara Biedermann zum Thema Menschenzentrierte Digitalisierung in der Medizin.
Frau Prof. Dr. Barbara Biedermann, Vizepräsidentin des 2022 gegründeten Vereins Gesundheitsdatenraum Schweiz (GdS), stellte in ihrem Referat die Grundzüge einer menschenzentrierten digitalen Transformation des Gesundheitswesens vor. Ziel des Vereins sei es, Bürgerinnen und Bürgern mehr Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten zu geben und ein sicheres, zugängliches und transparentes Datenökosystem zu schaffen.
Frau Prof. Dr. Biedermann betonte das enorme Potenzial guter Digitalisierung: Sie ermögliche die strukturierte Analyse komplexer, dezentral gespeicherter Informationen in Echtzeit – ein Fortschritt, der bereits in Bereichen wie der Bibliothekswelt spürbar sei. Im Gesundheitswesen hingegen bleiben viele Daten in Silos gefangen, was Innovation hemmt und die Kosten in die Höhe treibt.
Ein zentrales Anliegen war die Forderung nach einer national gehosteten, vertrauenswürdigen Plattform für das Elektronische Patientendossier (EPD), anstelle der derzeitigen privaten oder verbandsbezogenen Lösungen. Sie plädierte dafür, die EPD-Infrastruktur auf einer offiziellen eidgenössischen Website bereitzustellen, um Vertrauen, Sicherheit und demokratische Legitimation zu gewährleisten.
Als Beispiel für gelungene internationale digitale Infrastruktur nannte sie PubMed der US National Library of Medicine – ein frei zugänglicher, qualitätsgesicherter Wissenskatalog für medizinische Publikationen, der weltweit genutzt wird.
Zudem stellte sie die Initiative „Expedition Gesundheitsdatenraum“ vor – ein Pilotprojekt des GdS zur Schaffung eines patientenzentrierten Datenraums, bei dem die Bürgerinnen und Bürger die Eigentümer und Verwalter ihrer Gesundheitsdaten sind. Die Datenstruktur orientiert sich an medizinischen Standards und bildet alle relevanten Informationen – von der Anamnese bis zur Therapie – systematisch und nachvollziehbar ab.
Frau Prof. Dr. Biedermann schloss mit dem Appell, die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht technokratisch, sondern menschenzentriert zu gestalten – mit dem Ziel, medizinische Qualität zu steigern, Datenhoheit zu sichern und das Vertrauen der Bevölkerung in digitale Lösungen zu stärken.
Im Anschluss an die angeregte Frage & Diskussionsrunde genossen die Teilnehmenden einen gemütlichen Abend mit dem von Drossapharm und Schwabe Pharma gesponsorten Apéro Riche auf der Terrasse der Geschäftsstelle.
















